Legendärer Namenspatron

Namenspatron unserer Schule und des Schulzentrums ist der Apostel Matthias. Von ihm gibt es nur wenige gesicherte Quellen.

Er soll für Judas als Nachrücker in das Apostelkollegium gewählt worden sein und später den Glauben in Äthiopien verkündet haben.

Seine Reliquien sollen durch Unterstützung Helenas, der Mutter Kaiser Konstantins, durch Bischof Agritius nach Trier gebracht worden sein. Sie befinden sich in der Kirche der Benediktiner Abtei St. Matthias die seit 1127 nach dem Heiligen benannt ist.

 

Die Matthias-Reliquien wurden das Ziel einer weitverbreiteten Wallfahrt, die bis heute von Matthias-Bruderschaften getragen wird.

St. Matthias ist Patron des Bistums Trier, zudem der Bauhandwerker, Schreiner, Schmiede, Metzger, Zuckerbäcker, Schneider und Schulkinder. Er soll u. a. bei Keuchhusten und Blattern helfen. 

Das Fest des Hl. Matthias wird am 24. Februar gefeiert (nach dem neuen römischen Kalender am 14. Mai).

Eine alte Bauernregel besagt: "St. Matthias hab' ich lieb, - denn er gibt dem Baum den Trieb."

Das Martyrium des Apostels Matthias

Lucas Cranach d. Ältere (1472-1553) veröffentlichte um 1512 einen Holzschnittzyklus zu den "Martyrien der heiligen zwölf Apostel". Darunter auch das abgebildete Werk "Das Martyrium des Apostels Matthias".

Als Inspirationsquelle diente ihm die am Ende des 14.Jahrhunderts entstandene Legenda aurea, die "goldene Legende" des Genueser Erzbischofs Jakobus de Voragine, das zu den am meisten verbreitetsten Büchern des ganzen Mittelalters zählte.

Die Legenda aurea führt gleich eine ganze Reihe von unter- schiedlichen Überlieferungstraditionen zum Leben und Sterben des Matthias an.

 

"In einer Legende aber, welche man zu Trier findet, lesen wir, dass Matthias war vom Stamme Juda und aus der Stadt Bethlehem, von gar edlen Eltern. Er lernte alle Weisheit, und war über kurze Zeit im Gesetz und in den Propheten wohlgelehrt. Da er durch Judaea predigte, machte er die Blinden sehend, die Aussätzigen rein, und trieb Teufel aus; er gab den Lahmen den Gang, den Tauben das Gehör, den Toten das Leben wieder. Und da er das Wort Gottes predigte durch Judaea, bekehrte er viele durch seine Wunder und Zeichen. Das neideten ihm die Juden, und stellten ihn vor ihren Rat. Zwei falsche Zeugen klagten wider ihn, und warfen die ersten Steine auf ihn. Und da sie ihn steinigten, ward ihm mit dem Beil nach römischem Brauch das Haupt abgeschlagen."

MATTHIAS

Auszug aus dem 'Biografisch-Bibliografischen Kirchenlexikon', Band V (1993), Spalten 1037-1039 Autor: Christof Dahm

 

MATTHIAS (Kurzform des gräzisierten Namens Mattathias, abgeleitet vom hebr. Mattitjah, d.h. »von Jahwe gegeben«), Apostel, Heiliger, Lebensdaten unbekannt.

 

Zu den am Beginn der Apostelgeschichte berichteten Ereignissen gehört die Ergänzung des Zwölferkreises (Apg 1, 15-26). Im Anschluss an eine ausführliche Rede des Petrus vor der versammelten Gemeinde, in der er das Ende des Verräters Judas Iskarioth schildert und die Notwendigkeit der Vervollständigung des Apostelkollegiums auf die Zwölferzahl heraushebt (Apg 1,20), findet eine Wahl zwischen »Joseph, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias« (Apg 1,23) statt. Nach Apg 1,26 fällt das Los auf M., der »den elf Aposteln zugerechnet wurde«.

 

Abgesehen von Apg 1,21 f., wonach der zu Wählende zu den ersten Jüngern Jesu zählt, enthält das übrige Neue Testament keinen weiteren Hinweis auf Person oder Wirken des M. Wegen der großen Bedeutung des Zwölferkreises für die früheste Geschichte der Jerusalemer Urgemeinde ist jedoch an der Historizität des in Apg 1,23-26 geschilderten Vorgangs nicht zu zweifeln. Allerdings hat sich auf Grund der fehlenden biografischen Angaben schon früh die Legende des M. bemächtigt, wobei die vielfältigen und teilweise widersprüchlichen Überlieferungen einerseits an das dürftige Zeugnis der Apostelgeschichte anknüpfen und dieses ausgestalten, andererseits Nachrichten und Geschehnisse, die mit anderen Personen verbunden sind, auf M. übertragen, z.B. von Paulus und (infolge Namensverwechslung) von Matthäus.

 

Einer sehr vagen Tradition zufolge stammte M. aus einer wohlhabenden Familie in Bethlehem, habe Jesus in jungen Jahren kennen gelernt und zu den 70 Jüngern gehört, die er zur Verkündigung des Reiches Gottes aussandte (vgl. Lk 10,1). Nach seiner Wahl wirkte M. in Judäa, nach anderen Quellen in Äthiopien, Griechenland oder sogar im Kaukasusgebiet. Schon im 2. Jh. kursierte eine nur bruchstückhaft erhaltene (gnostische?) Evangelienschrift unter seinem Namen.

 

Über den Tod des M. differieren die Zeugnisse beträchtlich. Einer Überlieferung zufolge soll ihn nach vorübergehender Blendung und wunderbarer Wiedererlangung des Augenlichts der Apostel Andreas aus den Händen von Menschenfressern gerettet haben, sodass er eines friedlichen Todes starb. Andere Quellen berichten von einem Martyrium durch Kreuzigung, Steinigung oder (so die Mehrzahl) durch Enthauptung.

 

Seine Gebeine wurden angeblich im 4. Jh. im Auftrag der hl. Kaiserin Helena nach Trier überführt, doch liegen schriftliche Zeugnisse darüber erst aus dem 9. Jh. vor. Ein Matthias-Kult entfaltete sich in Trier seit der Wiederauffindung der zeitweise verschollenen Reliquien und ihrer Übertragung in das Euchariusstift, das seither den Namen des Apostels trägt (1127). Außerdem werden Matthias-Reliquien auch in S. Maria Maggiore in Rom und in S. Giustina in Pavia aufbewahrt.

 

In der Ikonografie erscheint M. seit dem 13. Jh. mit den Attributen Schwert, Beil oder Hellebarde (Hinweis auf sein Martyrium). Er ist (mit lokalen Abweichungen) Patron der Metzger, Zimmerleute, Schneider, Schmiede, Zuckerbäcker und Schulkinder.

 

Angerufen wird er bei Blattern, Keuchhusten und Unfruchtbarkeit. Besondere Bräuche (Liebes- und Todesorakel in der Matthias-Nacht in Bezug auf die Wahl des Apostels durch Los) sind seit dem 16. Jh. im Rheinland nachweisbar.

 

Neben der Diözese Trier, die M. als Diözesanpatron verehrt, und wo Wallfahrten zu seinem Grab sowie Matthias-Bruderschaften von seinem hohen Ansehen zeugen, bilden die Städte Aachen, Goslar, Hannover und Hildesheim Zentren des Matthias-Kults. Als Gedenktag verzeichnet die römisch-katholische Kirche den 24. Februar (in Schaltjahren 25. Februar), dazu im Lokalkalender des Bistums Trier den 18. Juli als Tag der Überführung der Gebeine; die griechisch-orthodoxe Kirche ehrt M. am 9. August, die äthiopische Kirche am 4. März.

 

Quellen:

 

AS VI, 436-460; Die Legenda aurea des Jacobus de Voragine. Aus d. Lat. übers. v. Richard Benz, Heidelberg 1979, 213 f., 217-219; Hennecke I, 1987, 306-309; II, 1989, 12, 22, 24.

 

Literatur:

 

Nikolaus Irsch, Die Trierer Abteikirche St. Matthias und die trierisch-lothringische Bautengruppe, 1927;

Ernst Nellessen, Zeugnis für Jesus und das Wort, 1976, 153-159;

Ernst Haenchen, Die Apostelgeschichte 1977, 165-167;

Alfons Weiser, Die Nachwahl des Matthias (Apg 1,15-26). Zur Rezeption und Deutung urchristlicher Geschichte durch Lukas, in: Gerhard Dautzenberg u.a. (Hrsg.), Zur Geschichte des Urchristentums. Festschrift Rudolf Schnackenburg, 1979, 97-110;

Ders., Die Apostelgeschichte I, 1981, 71 f.;

Gerhard Schneider, Die Apostelgeschichte I, 1980, 211-221;

Rudolf Pesch, Die Apostelgeschichte I, 1986, 82-92;

Doyé II, 6; - EC VIII, 500 f.; - RGG IV, 810 f.; - LThK VII, 179 f.; Dict. Historique des Saints, 271 f.;

Die Heiligen. Alle Biografien zum Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet, hrsg. v. Peter Manns, 1979, 38, 595;

Exegetisches Wörterbuch zum NT II, 923 f.;

Histoire des Saints et de la Sainteté Chrétienne, sous la direction de Francesco Chiovaro I, 242 f.;

Bauer,1986; Lexikon der christlichen Ikonografie VII, 602-607;

Das Große Bibellexikon II